Zurücknahme des Planungsauftrages

Bemerkungen zum Brenner-Nordzulauf

von Prof. Dr. Roland Feindor (vollständige Präsentation als PDF)

Am 26.3.19 trafen sich rund 170 Mitglieder der Bürgerinitiative "Wasen nicht verBRENNERn" im Sportheim in Pang, um über den neuesten Stand informiert zu werden. Hauptredner des Abends war Professor Dr. Feindor, der seine "Bemerkungen zum Brenner Nordzulauf" darlegte. Damit eine Neubaustrecke genehmigt wird, müssen drei Punkte erfüllt sein:

  1. Neue Trassen dürfen nur geplant werden, wenn der Bedarf nachvollziehbar nachgewiesen ist.
  2. Die Nutzen müssen die Kosten übertreffen.
  3. Der Südzulauf durch Norditalien muss vergleichbare Kapazität haben.

Der Bedarf ist nicht nachgewiesen

Dies beschreibt er anschaulich mit Informationen und Zahlen aus der Szenarienstudie von Hr. Scheuer, die jener am 21.1.2019 bei seinem Besuch in Rosenheim vorstellte. So würde der Ausbau der Bestandsstrecke nach Neubaustandard für das zu erwartende Verkehrsaufkommen dieser Studie ausreichen.

Beim Szenario 4 von Herrn Scheuer sei außerdem zu bedenken, dass 30 Züge aus dem innerösterreichischen Verkehr und 64 Züge von der "neuen Seidenstraße" - also Container aus den italienischen Häfen - kommen. Würde man das 2%-ige Wachstum mathematisch fortführen, so würden in 100 Jahren 1600 Züge und nicht 400 Züge durchs Inntal rauschen. Folglich beruhen die Berechnungen in der Szenarienstudie nicht unbedingt auf mathematischen Regeln.

2. Die Nutzen müssen die Kosten übertreffen

Es gibt bisher nur eine grobe, vorläufige Nutzen-Kosten-Abschätzung, nämlich die 2010 veröffentlichte "Überprüfung des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege". Prof. Dr. Feindor zeigt hier eindeutige Rechenfehler in der Kostenaufstellung der Bahn auf und beweist, dass die Kosten eindeutig größer sind als der Nutzen. Beispielsweise würden die Kosten um 500 Mio Euro steigen, wenn nur 20 km nicht ebenerdig (also als Tunnel oder Brücke) gebaut werden würden. Unsere Region hätte keinerlei Nutzen durch die Schnellbahntrasse

  • 80% der Nutzen kommt aus dem Güterverkehr - > Warum dann eine Hochgeschwindigkeitstrasse? Güterzüge dürfen nur 120 km/h fahren!
  • 8,4 % Nutzen aus dem Personenverkehr: der Schnellverkehr würde aber nicht mehr in Rosenheim halten, um eine Reisezeitverkürzung von 8 Minuten zu erreichen

3. Der Südzulauf durch Norditalien muss vergleichbare Kapazität haben

Wie bereits Hr. Kusstatscher am Infotag in der Inntalhalle ausführlich darstellte, sind einige Teile des Brenner Südzulaufs noch nicht einmal geplant. Auch hat Italien nicht die finanziellen Mittel, um den Südzulauf zu bauen. Nachdem sich jetzt die Chinesen an der Finanzierung beteiligen, könnte sich dies ändern. Dann ist uns jedoch klar, dass wir durch unser Inntal die Container der neuen Seidenstraße transportieren lassen.

Laut Prof. Dr. Feindor sind also alle drei Voraussetzungen für einen Bau der Neubautrasse nicht erfüllt. Demnach muss die Planung der Hochgeschwindigkeitstrasse gestoppt werden, zur Not durch den Bundesrechnungshof. Dennoch betont er, dass wir einen funkionierenden Nordzulauf brauchen und mehr Güterverkehr auf der Schiene. Er plädiert für den Ausbau der Bestandsstrecke nach Neubaustandard mit Neubaufinanzierung.